Archiv: Juni, 2016

23 Jun 2016

LEIHARBEIT UND WERKVERTRÄGE – „DER GESETZENTWURF IST EIN FEHLWURF!“

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Norbert Fuhrmann im exklusiven Interview mit der G.I.B. Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH einer Gesellschaft des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales  der Landesregierung NRW.

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Herr Fuhrmann, die Bundesarbeitsministerin sieht in dem jetzt vorgelegten Gesetzentwurf den entscheidenden Schritt, um Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen einzu-dämmen. Ist der Gesetzentwurf wirklich der große Wurf?

N. F. : Gemessen an den Zielen, Missbrauch bei Zeitarbeit und Werkvertrag zu verhindern, ist der Gesetzentwurf ein Fehlwurf. Der Begriff „Zeitarbeit ist vorübergehend“ sollte z.B. definiert werden. Was ist herausgekommen? Zwar wechseln die eingesetzten Personen nach 18 Monaten, aber über Jahre kann Zeitarbeit als preiswerte Alternative eingesetzt werden.

Auch die Erhöhung der Tarifbindung bei den Entleihunternehmen durch den Anreiz, Einsatzzeitverlängerungen über 18 Monate hinaus nur per Tarifvertrag regeln zu können, ist aufgegeben worden, da nun auch nicht tarifgebundene Entleihunternehmen sich an tarifliche Regeln zur Verlängerung „anhängen“ dürfen. Andererseits werden bestehende und gut funktionierende tarifliche Regelung zwischen Tarifpartnern der Zeitarbeit zur Einsatzzeit zum Nachteil der betroffenen Beschäftigten ignoriert bzw. ausgehebelt.

F.A. Wird es mit dem Gesetz gelingen, den Missbrauch von Werkverträgen zu verhindern?

N.F.: Genau das Gegenteil ist der Fall. Es kann zwar die Überlassungserlaubnis als Schutz vor Illegalität bei Scheinwerkverträgen nicht mehr „hervorgezaubert“ werden, aber die Auftraggeber von Scheinwerkverträgen werden besser vor den Folgen der illegalen Arbeitnehmerüberlassung durch das Widerspruchsrecht des Mitarbeiters (will keinen Wechsel zum Auftraggeber) geschützt. Während früher bei illegaler Überlassung automatisch ein Arbeitsverhältnis mit dem Entleiher/Auftraggeber entstand und die Differenz zu den betrieblichen Löhnen + plus SV-Beiträgen nachgezahlt werden musste, ist durch das Widerspruchsrecht des im Scheinwerkvertrag Beschäftigten nun das Risiko für den Auftraggeber stark reduziert worden.

In der Praxis werden bei Beginn eines „zweifelhaften Werkvertrags“ die Beschäftigten unterschreiben (müssen), dass sie nicht zum Auftraggeber wechseln wollen. Damit gibt es im Gegensatz zur jetzigen Regelung keine finanzielle Gleichstellung für die Beschäftigten aber einen zusätzlichen Schutz für Auftraggeber von zweifelhaften Werkverträgen. Dem Missbrauch wurde ein Scheunentor geöffnet.

F.A: Was muss aus Ihrer Sicht dringend in dem Gesetzentwurf geändert werden?

N.F.: Das Widerspruchsrecht muss aus dem Gesetz raus, damit das Lohndumping mit Scheinwerk-verträgen nicht weiter um sich greift. Der Einsatz bei Streiks muss auf den Betrieb definiert werden.„Equal Pay“ sollte grundsätzlich von den Tarifparteien definiert werden. Bestehende und funktio-nierende Tarifregelungen zu Einsatzzeiten sollten weiterhin Gültigkeit haben. Die Tarifparteien der Zeitarbeit sollten nicht als Tarifparteien 2. Klasse behandelt werden, werden, sondern auch die Möglichkeit haben, zu Einsatzzeiten tarifliche Regelungen abzuschließen. Weiterlesen

14 Jun 2016

I.Q.Z Statusreport 2016 – Umfrage zur Zeitarbeit zeichnet schlechtes Bild der Branche

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Ergebnisse der anonymen Online-Umfrage 2016 – Externe Mitarbeiter bewerten ihr Unternehmen“

Zusammenfassung der Ergebnisse

Mit knapp 1.400 Teilnehmern ist ein durchaus repräsentatives Umfrageergebnis erzielt worden . Die Schwankungsbreite der einzelnen Antworten zeigt die differenzierte Sichtweise der Beschäftigten in der Zeitarbeit. Dabei spiegelt sich selbstverständlich das subjektive Empfinden der Beschäftigten wider. Während eine wenige Beschäftigte ihren Unternehmen ein gutes Zeugnis ausstellen, sind fast 2/3 mit mit ihrem Unternehmen nicht zufrieden.

Bei der Online-Befragung war die Nennung des Arbeitgebers freigestellt. Die Nennung ist bei 42 % der Beschäftigten erfolgt. Es wurden dort insgesamt 212 Arbeitgeber benannt.

In der anonymen Online-Befragung waren – wie 2015 – die geringsten positiven Bewertungen beim Betriebsklima, den Infos zum Arbeitsvertrag und Einsatz sowie zum Thema Fahrzeit zu verzeichnen. Auch im Vergleich zu vorherigen Erfahrungen mit Zeitarbeitsfirmen ist keine herausragende Bewertung zu verzeichnen.

Dass nur 25% ihr Unternehmen weiterempfehlen würden, ist ein erschreckendes Ergebnis. Es wird von vielen Unternehmen vergessen, dass im Zeichen des Bewerbermangels die Empfehlungsinstanz der beschäftigten Mitarbeiter ein wichtiger Faktor zur Gewinnung neuer Mitarbeiter ist. Eine Unternehmensmarke (Employer Branding) kann so nicht entstehen. 

Übersicht der positiven Bewertungen 2016/2015 Weiterlesen

02 Jun 2016

Bundeskabinett einigt sich bei Zeitarbeit

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kabinettIn der gestrigen Kabinettssitzung wurde das Gesetzesvorhaben zur Verhinderung von Missbrauch bei  Werkvertrag und Zeitarbeit auf denWeg gebracht. Für die Zeitarbeit bedeutet das:

Höchstüberlassungsdauer

Die Überlassungshöchstdauer beträgt grundsätzlich 18 Monate. Durch Tarifverträge (Entleihbetriebe) kann davon abgewichen werden. Wird durch einen Tarifvertrag für Betriebsvereinbarungen eine abweichende Höchstgrenze ausdrücklich festlegt, kann bei allen tarifgebundenen und nicht tarifgebundenen Unternehmen davon abgewichen werden. Wenn nicht können nicht tarifgebundene Entleihbetriebe die Höchstüberlassungsdauer nur auf 24 Monate beschränken.

Equal pay

Nach einer Einsatzdauer von 9 Monaten entsteht der zwingenden Anspruch des Zeitarbeitnehmers auf Gleichstellung.

Unterbrechungszeit

Die Unterbrechungszeit bei der Höchstüberlassungsdauer beträgt 3 Monate. Ist die „Auszeit“ des Einsatzes länger, so läuft die Überlassungszeit neu. Das Gleiche gilt für den Equal-Pay-Anspruch.

Inkrafttreten/Übergangzeit

Das Gesetz soll zum eventuell schon ab 01.01.2017 in Kraft treten (genauer Zeitpunkt bleibt abzuwarten). Die Zeiten der Überlassung vor dem 01.01.2017 zählen weder für den Equal-Pay-Anspruch, noch für die Höchstüberlassungsdauer mit.

Streikbruch

Das Kundenunternehmen darf Zeitarbeitnehmer an den Stellen nicht einsetzen, an denen streikenden Stammbeschäftigten beschäftigt waren.

Karl Schiewerling, Arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, wies darauf hin, dass im parlamentarischen Prozess noch einige „Nachjustierungen“ anstehen. Eine Bewertung des Gesetzentwurfs wird in Kürze veröffentlicht.