27 Mrz 2018

„Equal Pay“ entspricht nicht der Gleichstellung im AÜG – Vorsicht vor falschen Empfehlungen

Keine Kommentare Beratung, Wissen

Durchsucht man das AÜG nach dem Begriff „Equal Pay“, kann man nicht fündig werden. Immer wieder geht es um den Begriff „Gleichstellung der wesentlichen Arbeitsbedingungen“.

Die Gleichstellung wird im AÜG § 8 „Grundsatz der Gleichstellung“ eindeutig beschrieben:

„(1) Der Verleiher ist verpflichtet, dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung an den Entleiher die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeits-entgelts zu gewähren (Gleichstellungsgrundsatz).“

Es handelt sich bei diesem Grundsatz nicht nur um Arbeitsentgelt (Equal Pay), sondern auch um Arbeitszeit. Die fachlichen Anweisungen zum AÜG definieren die wesentlichen Arbeitsbedingungen eindeutig:

Die wesentlichen Arbeitsbedingungen sind insbesondere Arbeitsentgelt und Arbeitszeit (einschließlich Überstunden, Pausen, Ruhezeiten, Nachtarbeit, Urlaub, arbeitsfreie Tage)“.

Von diesem Grundsatz kann  durch einen Tarifvertrag abgewichen werden, der die Mindestentgelte der Zeitarbeitsbranche  nicht unterschreitet. (AÜG § 8.2. erster Satz). Greift die Drehtürklausel, so kann nicht vom oben beschriebenen Gleichstellungsgrundsatz abgewichen werden (AÜG § 8.3.). Der  Zeitraum der tariflichen Abweichung vom Gleichstellungsgrundsatzes (ohne Branchenzuschläge) in Bezug auf das Arbeitsentgelt wird auf 9 Monate beschränkt (AÜG § 8.4.). Somit gilt der oben definierte Gleichstellungs-grundsatz ab dem 10. Einsatzmonat. Der Gleichstellungsgrundsatz ist nach 9 Monaten tariflicher Ausnahme  nicht aufgehoben!

„Ein Tarifvertrag im Sinne des Absatzes § 8.2. AÜG kann hinsichtlich des Arbeitsentgelts vom Gleich-stellungsgrundsatz für die ersten neun Monate einer Überlassung an einen Entleiher abweichen.“

Bei Branchenzuschlagstarifen ist die Abweichung vom Gleichstellungsgrundsatz  auf 15 Monate erweitert, wenn spätestens nach 6 Wochen die erste Angleichung erfolgt. In den Tarifverträgen  bestimmen dann die Tarifpartner, was ab dem 16. Einsatzmonat als gleichwertig im Sinne des AÜGs anzusehen ist. 

Falsche Empfehlungen können teuer werden. Verstöße gegen die korrekte gesetzliche Gleichstellung können mit Bußgeldern bis zu 500.000,00 € belegt werden. Deshalb:

 

Verfasst von
Der Autor hat noch keine Informationen in seinem Profil hinterlegt.
Keine Antworten auf “„Equal Pay“ entspricht nicht der Gleichstellung im AÜG – Vorsicht vor falschen Empfehlungen”

Antwort verfassen

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar schreiben zu können.