12 Apr 2018

Nutzt die Handelskette REAL Zeitarbeit nur um Tariflöhne zu unterlaufen?

1 Kommentar Politik

Das revidierte AÜG sollte die Lohngleichheit für die Zeitarbeitnehmer, die als Grundsatz in der Arbeitnehmer-überlassung festgeschrieben ist,  nach einer Frist von 9 Monaten herstellen. Doch die Rechnung wurde nicht mit den Entleihbetrieben und deren Personalpartnern  gemacht, die Zeitarbeit als Lohndumpinginstrument (Unterlaufenen der Entleih – Tarife) missbrauchen. 

Konkret berichtet „Report Mainz“ (heute, 10.4.18, 21:45 Uhr im Ersten) über den Fall einer Kassiererin, die zum 31. Dezember 2017 gekündigt wurde. Einen Tag später hätte sie Anspruch auf denselben Lohn gehabt wie eine festangestellte Kollegin. Gleichzeitig mit der Kündigung bekam sie das Angebot der Zeitarbeitsfirma zur Wiedereinstellung drei Monate und einen Tag später. Damit hätte sie wieder zum niedrigeren Zeitarbeitstarif arbeiten müssen.

Während der Phase der Gesetzgebung in der letzten Legislaturperiode wurde vor genau solchen Verhaltensweisen gewarnt, leider vergebens. Das Gesetz hat im Kern einen Geburtsfehler, der schnellstens beseitigt werden muss. Hier hilft ein Blick auf unser Nachbarland Österreich. Dort erfolgt die Gleichstellung schon nach einem (Probe)Monat.

 

Verfasst von
Der Autor hat noch keine Informationen in seinem Profil hinterlegt.

Eine Antwort auf “Nutzt die Handelskette REAL Zeitarbeit nur um Tariflöhne zu unterlaufen?”

  1. Dieter Hildner sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank, dass Sie den Bericht aus der Sendung “ Report Mainz“ hier aufgenommen haben. Es sollte ein großer Wurf werden, ein reformiertes Arbeitnehmerüberlassungsgesetz im April 2017 auf den Weg zu bringen. Die Aussage von Arbeitsministerin Nahles war: Es wird in Zukunft klare Regeln geben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um den Mißbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen zu
    bekämpfen. Wir haben klar verabredet, dass wir gleichen Lohn für gleiche Arbeit machen und da keine Schlupflöcher mehr zulassen. Soweit die Theorie. Es sind die Bedenkenträger aus Politik und Wirtschaft, die immer wieder versuchen Gesetze
    auslegungsfähig zu gestalten, um entsprechenden Einfluß geltend zu machen. Anders ist es nicht zu erklären, wenn dann solche Interpretationen der bestehenden Gesetze zum Nachteil der Beschäftigten in der Leiharbeit zum Tragen kommen. Es ist gerade zu töricht, wenn die Hinweise von Fachleuten auf Schlupflöcher im Gesetz ignoriert werden und auf die Gutgläubigkeit bei der Auslegung des Gesetzes von Seiten der Wirtschaft
    geglaubt wird. Nun steht natürlich nichts im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD, um eine Änderung des AÜG herbeizuführen. Deswegen sind hier dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet, da wird der Fall bei Real erst der Anfang sein.

Antwort verfassen

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar schreiben zu können.