Sprachverwirrung bei der Deckelung?

Im AÜG  wird  grundsätzlich davon  ausgegangen,  dass der  überlassene Mitarbeiter dem vergleichbaren Stammmitarbeiter vom ersten Einsatztag gleichgestellt wird. Dabei ist auf das gesamte Arbeitseinkommen eines neu eingestellten Stammmitarbeiter (gleiche Tätigkeit / Qualifikation) beim Kundenbetrieb abzustellen. Den wenig  aussagekräftige Begriff „Equal Pay“ sollte man vermeiden, da dieser Begriff verschiedene Interpretationen auslöst.

Gehört ein Unternehmen einer Branche an in der Branchenzuschlagstarife vereinbart wurden, dann kann vom gesetzlich verankerten Gleichstellungsgrundsatz abgewichen werden. Bei Branchenzuschlägen wird eine stufenweise Heranführung an das vergleichbare umgesetzt, wobei der Vergleichslohn des Stammarbeiters die Obergrenze angibt diese Obergrenze kann um 10% reduziert  bzw. „gedeckelt“ wird. 

Die jeweiligen Tarifpartner  der Branchenzuschlagstarife haben inzwischen einen tariflichen  Gleichstellungswert ab dem 16. Einsatz-monat definiert. Einige „Experten“ sprechen hier auch davon, dass dieser Wert „gedeckelt werden kann und sorgen mit dieser Wortwahl für Verwirrung. Der tarifliche Gleichstellungswert ab dem 16. Einsatzmonat darf keinesfalls gedeckelt werden. 

Da die tarifliche Gleichstellung nur die Ausnahme von der gesetzlichen Gleichstellung ist, wird den Kunden der Zeitarbeit die Möglichkeit eingeräumt, zwischen der gesetzlichen und der tariflichen Gleichstellung zu wählen. Das kann dazu führen, dass auf die tarifliche Gleichstellung verzichtet wird und die gesetzliche Variante seitens des Kunden gewählt wird. Dies wird fälschlicherweise und irreführend als „Deckelung“ bezeichnet. Uns liegen sowohl Fälle vor, in denen die Werte einer gesetzlichen Gleichstellung sowohl oberhalb als auch unterhalb der tariflichen Gleichstellung liegen. Liegen die Werte oberhalb der tariflichen Gleichstellung kann man nicht von „Deckelung“ wie bei den Branchenzuschlägen in der ersten 15 Monaten sprechen.

Mehr Infos wie das neue AÜG korrekt anzuwenden ist, finden Sie in unserer Infothek.