Korrekte Durchschnittsberechnung in der Zeitarbeit bei Urlaub (alle Tarifverträge) und Arbeitsunfähigkeit (nur IGZ und BAP)

 

A. Gesetzlichen Grundlagen zur Durchschnittsberechnung

 

1. Der Grundsatz

 

§11 BurlG: „Das Urlaubsentgelt bemisst sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, das der Arbeitnehmer(m/w/d) in den letzten dreizehn Wochen vor dem Beginn des Urlaubs erhalten hat, mit Ausnahme des zusätzlich für Überstunden gezahlten Arbeitsverdienstes.“

 

Das heißt:

a) Um eine vereinfachte Berechnung des Durchschnitts der 13 Wochen zu realisieren, wird als Referenzzeitraum (RZ), auf

die Arbeitsverdienste der letzten 3 Monate zurückgegriffen. Bestand die Beschäftigung noch keine 3 Monate, so wird der kürzere Zeitraum zugrunde gelegt.

b)  Alle Bruttoverdienste der 3 für den Durchschnitt relevanten Vormonate sind in die Berechnung des Durchschnitts einzubeziehen. Nicht zu berücksichtigen – also davon abzuziehen – sind:

  • Überstunden und deren Zuschläge, 
  • Spesen, Fahrgelder und  Reisekosten, 
  • Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Einmalzahlungen, 
  • VWL und Betriebliche Altersversorgung, 
  • Dienstwagen, Dienstfahrrad,
  • sonstige steuerfreie Sachbezüge. 

Alle anderen Zulagen, Zuschläge, Stunden und ausgezahlte und eingestellte Zeitkonten, die im Rahmen des Referenzzeitraums erarbeitet wurden, sind Basis für die Berechnung des Durchschnitts.

 

2. Die Unabdingbarkeit

 

§13 BurlG: „Im übrigen kann, abgesehen von § 7 Abs. 2 Satz 2, von den Bestimmungen dieses Gesetzes nicht zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden.“

 

Das heißt:

Hier wird festgelegt, dass weder in Tarifverträgen oder in Einzelverträgen, noch bei der Abrechnung von den Regeln des §11 (was Zeitraum und Inhalt angeht) zuungunsten des Arbeitnehmers abweichen darf. Es besteht ein klarer Anspruch auf die in §11 festgelegte Art der Durchschnittsberechnung.

 

3. Die Besonderheit

 

§11 BurlG:  „Bei Verdiensterhöhungen nicht nur vorübergehender Natur, die während des Berechnungszeitraums oder des Urlaubs eintreten, ist von dem erhöhten Verdienst auszugehen. Verdienstkürzungen, die im Berechnungszeitraum infolge von Kurzarbeit, Arbeitsausfällen oder unverschuldeter Arbeitsversäumnis eintreten, bleiben für die Berechnung des Urlaubs-entgelts außer Betracht.“

 

B. Die korrekte Umsetzung der Durchschnittsberechnung bei variablen Arbeitstagen

 

1. allgemeine  Information

 

In der Regel wird die Durchschnittsberechnung von einer Software unterstützt. Die Berechnung des Durchschnittsentgeltes wird dort allgemein auf 2 Rechenwegen durchgeführt. Man berechnet die durchschnittlichen Stunden (Stundenfaktor) aus allen Stunden die im Referenzzeitraum angefallen sind und mit Geld vergütet wurden und  multipliziert diese mit dem durchschnittlichen Stundenentgelt (Geldfaktor) aller relevanten Gelder aus dem Referenzzeitraum. In diesem  Rechenweg werden zwei Durchschnitte gebildet, die dann zu einer Entgeltsumme durch Multiplikation verknüpft werden. Ins Zeitkonto eingestellte Stunden werden beim Stundenfaktor nicht berücksichtigt. Die richtige Zuordnung der Lohnarten für die korrekte Durchschnittsberechnung ist entscheidend. Die meisten Softwarelösungen für Zeitarbeit stellen die korrekte Zuordnung den Anwendern zur Verfügung.

 

Beim zweiten Rechenweg wird der Tagessatz im Durchschnitt ermittelt. Die relevanten Entgelte des Referenzzeitraumes werden in der Summe ermittelt und durch die Anzahl der Tage im Referenzzeitraum geteilt. So bekommt man den Tagessatz. Die Rechenoperation ist einfacher und schneller und mit weniger Fehlern behaftet.

 

Für unser Durchschnittsmodul verwenden wir das Prinzip der Ermittlung von Tagessätzen. 

 

2. Wieviel Arbeitstage hat ein Referenzzeitraum?

 

Im Jahresverlauf können 3-Monatszeiträume 63,64, 65 oder 66 Tage beinhalten. In unserem Modul rechnen wir meist mit dem durchschnittlichen Wert von 65 Tagen. Dieser Wert kann aber auch auf die genaue Anzahl von Tagen verändert werden. 

 

3. Was sind Überstunden?

 

Die Sollstunden werden im Arbeitsvertrag als Monatsstunden festgelegt. Für Vollzeitkräfte sind das laut Tarif 151,67 Stunden (die durchschnittliche 35-Stunden-Woche). Bei Anwendung einer festen monatlichen Stundenzahl für die Abrechnung sind alle Stunden, die über diesen Wert im Monat tatsächlich geleistet werden, als Überstunden zu werten und sind nicht für den Durchschnitt zu berücksichtigen. 

 

Werden monatlich variable Kalendertage bei einer 35-Stunden Woche für die Abrechnung zugrunde gelegt (20, 21,22 oder 23 Arbeitstage) so sind  Überstunden  die Stunden, die über den Wert „Anzahl der Tage X 7 Stunden am Tag“ hinausgehen. Für Teilzeitverträge gilt dies entsprechen der monatlichen Stunden.

 

Es gibt Personaldienstleister, die andere Wochenstunden in den Arbeitsverträgen festlegen. Die Formel zur Umrechnung von von Wochenarbeitszeit (WAZ) auf Monatsarbeitszeit (MAZ) ist:

 

WAZ  X  13 (Monate)  =  MAZ

_________________     

                                                    3 (Monate)

 

Es gibt Kundeneinsätze in der die bei denen die regelmäßige Arbeitszeit oberhalb der 35 Wochenstunden in den AÜVs vereinbart wird. Ist dies dann auch in den Einsatzvereinbarungen mit dem Mitarbeiter festgehalten, wird dies zur neuen individuelle  monatlichen Arbeitszeit. Durch diese Zusatzvereinbarung eines höheren Schwellenwertes sind alle über den Monatswert hinausgehenden Stunden für die Durchschnittsstunden nicht zu berücksichtigen.

 

Neben den Überstunden sind auch die Überstundenzuschläge nicht zu berücksichtigen!

 

4. Berücksichtigung der Zeitkonten

 

Zeitkonten dienen zum Ausgleich von Plus- und Minusstunden. Plusstunden entstehen aus Einstellung von Überstunden, Minusstunden entstehen durch Abbuchung aus dem Zeitkonto durch Unterschreitung der Sollstundenzahl, genommene Freizeit oder Auszahlung von Zeitkontenstunden.

 

Bei der Durchschnittsberechnung müssen die Zeitkontenbewegungen zwingend mit berücksichtigt werden. Zeitkonten sind auch Arbeitsverdienst aus dem Referenzzeitraum. Deshalb werden sie in unserem Modul neben den gezahlten Entgelten aus dem Referenzmonaten immer als zu und Abgängen immer erfasst. Bei Nichtberücksichtigung würden Mitarbeiter mit Auszahlung aller Überstunden besser gestellt werden, als jemand dem die Überstunden auf das Zeitkonto gebucht werden.

 

Beispiel:

 

Lohn im Referenzzeitraum

Sollstunden

Ins Zeitkonto gestellt

Augezahltes Entgelt 

Vergleich alles Entgelt ausbezahlt

160 Stunden a 15,00 €

147

13

2.205,00 €

2.400,00 €

160 Stunden a 15,00 €

140

20

2.100,00 €

2.400,00 €

180 Stunden a 15,00 €

161

19

2.415,00 €

2.700,00 €

 

64 Tage

Gesamtverdienst

6.720,00 €

7.500,00 €

 

In unserem Beispiel wird der Verdienst im Referenzlohn durch die Nicht Berücksichtigung der Zeitkonten-bewegung um 780,00 € gekürzt. 

 

Auch die Abflüsse aus dem Zeitkonto müssen korrekt berücksichtigt werden, um Mitarbeiter nicht zu benachteiligen. Hier gibt es Softwareanbieter, die Auszahlung von Zeitkonten nicht berücksichtigen.

 

Beispiel:

 

Lohn im anderen Referenzzeitraum

Sollstunden

Ausgezahlte Zeitkontostunden

Berücksichtigte Entgelte

Zu berücksichtigen wären 

160 Stunden a 15,00 €

147

-13

2.205,00 €

2.400,00 €

160 Stunden a 15,00 €

140

-20

2.100,00 €

2.400,00 €

180 Stunden a 15,00 €

161

-19

2.415,00 €

2.700,00 €

 

64 Tage

Gesamtverdienst

6.720,00 €

7.500,00 €

 

Wie man sieht, entsteht bei Nichtberücksichtigung der Zeitkonten im Referenzzeitraum eine Differenz zu Lasten des Mitarbeiters von 780,00 €.  

 

5. Varianten bei der Durchschnittsberechnung mit Zeitkonten

 

Es gibt grundsätzlich 2 Wege bei der Behandlung der Zeitkonten Durchschnittsberechnung:

  • Variante 1: Zeitkontenstunden werden mit dem aktuellen Stundenlohn in den Tagessatz einberechnet.  
  • Variante 2: Zeitkonten werden separat im Durchschnitt berechnet und die ermittelten Stunden werden in das Zeitkonto ein- oder abgebucht). 

Die genaue Erklärung bzw. Beschreibung des Moduls wird beim Kauf mitgeliefert.

 

Das Modul ist auch für verstetige Monatslöhne vorgesehen.

 

Das Modul ist gegen eine Schutzgebühr vonn 200,00 € + MWST gegen Vorkasse zu beziehen.