Korrekte Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit im tarifplus+ Tarifvertrag

 

1. Grundsatz

1.1 Tarifliche Regelung

Der Grundsatz der Lohnfortzahlung im Fall der Arbeitsunfähigkeit  ist im Manteltarifvertrag im § 6.4 als strenges Lohnaus-fallprinzip geregelt. Das Lohnausfallprinzip bedeutet, dass ein Arbeitnehmer während der Ausfallzeiten  Anspruch auf das Entgelt hat, das er bei Arbeitsleistung verdient hätte.

1.2. Anspruchsberechtigung und Vergleiche

Da in den Arbeitsverträgen der Zeitarbeit in der Regel als Beleg eine Ärztliche Bescheinigung ab dem ersten Tag verlangt wird, muss zur Erfüllung des Lohnanspruchs eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegen. 

Dazu muss zunächst festgestellt werden, ob die Tage, für die eine AU-Bescheinigung eingereicht wurden  auch zur regel-mäßigen Arbeitszeit zählen. Dazu zählen z.B. die Wochenenden oder freie Tage in  der Woche bei Contischichtmodellen. Für diese Tage entfällt der Anspruch auf Lohnfortzahlung.

2. Prinzipien der Bezahlung bei variablen Lohn

Die Tatbestände für das Lohnausfallprinzip herangezogen werden müssen sind: produktive Arbeit, Urlaub, Freizeitausgleich, Garantiezeiten und Betriebsruhe. Bezahlungsprinzipien am Beispiel einzelner Tage bzw. einer kompletten Woche.

2.1. AU-Vergütung bei einer 5-Tage-Woche in der produktive Arbeit stattgefunden hätte

Referenzstundenanzahl für die AU-Vergütung sind  die  einzelnen Tage der Vorwoche oder, bei regelmäßiger Arbeitszeit, der für die AU-Woche vorgesehene Schichtplan (Stundenfaktor). Neben den Stunden, die mit dem aktuellen Stundenlohn vergütet werden müssen, sind mögliche Zuschläge (z.B. Branchen-, Überstd.- und  Nachtzuschläge), die in der AU-Woche angefallen wären, auch zu vergüten.

2.2. AU-Vergütung, wenn im Urlaub eine AU-Bescheinigung eingereicht wird

Voraussetzung hierfür ist, das Urlaub vom Mitarbeiter bei seinem Arbeitgeber schriftlich beantragt und genehmigt wurde. In diesem Fall ist die AU-Vergütung gleich der  Urlaubsvergütung (Durchschnittsprinzip), da der Mitarbeiter ja nicht gearbeitet hätte. Die Urlaubstage, die durch die AU-Bescheinigung „ersetzt“ werden, müssen dem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben werden.

2.3. AU-Vergütung bei Nichtbeschäftigung (Garantiezeiten)

Als Beleg einer Nichtbeschäftigung zählt die Beendigung eines Einsatzes für den betroffenen Mitarbeiter. Erfolgt eine AU-Bescheinigung in einer Woche der Nichtbeschäftigung, so beträgt die AU- Vergütung der vertraglich vereinbarten, auf einzelne Tage heruntergebrochene, monatlichen Stundenzahl multipliziert mit dem aktuellen Stundenlohn. 

Beispiel Stundenberechnung: 

Bei Vollzeitverträgen sind das 7 Stunden je Tag. Bei Teizeit als Beispiel: Bei einer monatlich vereinbarten Stundenzahl  von 130 Stunden und durchschnittlich 21,3 Arbeitstagen im  Monat, ergeben sich tägliche 6,1 Stunden. 

2.4. AU-Vergütung bei Betriebsruhe 

Gemäß § 3.1.3 des Manteltarifvertrags wird die monatliche Arbeitszeit der entliehenen Mitarbeiter der des Kunden angepasst. Daraus folgt, dass bei Betriebsruhe des Kunden auch eine Betriebsruhe für den Mitarbeiter gelten kann. Laut § 7.2. besteht die Wahlmöglichkeit diese Zeit entweder durch „Entnahme“ aus dem Zeitkonto oder vom Urlaubskonto zu belegen (schriftliche Beantragung und Genehmigung in beiden fällen nötig). Bei Beantragung Urlaub ist die Durchschnittsberechnung anzuwenden, bei Zeitkontenentnahme ist die AU-Vergütung gemäß 2.5. durchzuführen. Bei einzelnen Tagen der Betriebsruhe (z.B. Brückentage), die vom Arbeitgeber angeordnet sind,  ist die AU-Vergütung gemäß 2.6. durchzuführen.

 2.5.  AU-Vergütung bei beantragtem Freizeitausgleich 

Hat ein Mitarbeiter Freizeitausgleich durch Entnahme aus dem Zeitkonto beantragt und genehmigt bekommen und wir währen der Zeit arbeitsunfähig, so beträgt die AU-Vergütung bei Vollzeitverträgen 7 Stunden multipliziert mit dem Stundenlohn. Die beantragten Zeitkonten werden nicht mehr rückübertragen.

3. Prinzip der Bezahlung bei verstetigtem Lohn (beim tarifplus+ sind das 152 Stunden im Monat)

3. 1. Darstellung in der Abrechnung

Neben der Lohnart „Verstetigter Lohn“, die jeden Monat gleich bleibt, werden die erarbeiteten Mehrarbeitsstunden eines jeden Monats mit einer separaten  Lohnart gebucht und entweder ausgezahlt oder auf ein Zeitkonto gebucht.

Wichtig: Die individuelle regelmäßige Arbeitszeit von 152  Stunden im Monat darf nicht durch Zusatzvereinbarung  je Einsatz verändert werden, da sonst je Überlassung das Festgehalt verändert werden muss.

3.2. Die AU-Vergütung einer 5-Tage-Woche  bei verstetigtem Lohn 

Auch hier gilt die Betrachtung der einzelnen Tage nach dem „was-wäre-wenn“ Prinzip. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die ausgefallenen Stunden schon im verstetigten Lohn enthalten sind und nur noch eventuell zu zahlende Zuschläge (z.B. Spät-, Nacht- , Equal Pay- und Branchenzuschläge) zu beachten sind.

 

Empfehlung:

Führen Sie den verstetigten Lohn ein. Dies vereinfacht Ihre Abrechnung.