22 Jun 2012

Tarifpolitische Entwicklung in der Zeitarbeit – wohin geht die Reise?

1 Kommentar Tarife, Verbände

Der Versuch einer nüchternen Analyse des am 28.06.2012 zur Abstimmung stehenden Verhandlungsergebnis zur Zeitarbeit.

Am 30.06.2012 24:00 Uhr läuft die Erklärungsfrist zum Verhandlungsergebnis der Tarifparteien BAP / iGZ einerseits und der IG-Metall andererseits ab. Die beim BAP zuständige Tarifkommission hat dem Verhandlungsergebnis schon zugestimmt. Mit Spannung wird auf die Mitgliederversammlung des iGZ (dort wird laut Satzung durch die Mitglieder abgestimmt) am 28.06.2012 geschaut. Es steht eine richtungsweisende Abstimmung  über eine neue Tarifstruktur mit Branchenzuschlägen als Anpassungsprozess an die Löhne der Stammbeschäftigten an. Diese Anpassung soll zeitlich in 5 Schritten über einen Zeitraum von 9 Monaten geschehen. Die iGZ Mitgliedschaft wird also entscheiden, ob dieser Weg begangen wird.

Allen Unternehmen war und ist klar, dass – auch wegen der politischen Vorgaben von Frau von der Leyen eine Anpassung an die Löhne der Stammbeschäftigten erfolgen muss. Sie hat den Tarifpartnern die Aufgabe gegeben, bis zum Sommer diesen Jahres eine tarifliche Lösung zu finden. Sollte das nicht geschehen, würde der Gesetzgeber eine Regelung schaffen.

Den ersten Ansatz, Anpassung durch Branchenzuschläge zu realisieren, gab es Oktober 2011 mit dem TarifPlus -TV (abgeschlossen von der Tarifgemeinschaft TQZ mit der IG-Metall). Dieser Tarifvertrag wurde sowohl vom Staatssekretär im Arbeitsministerium -Herrn Hofe- wie auch vom Arbeitgeberpräsident Hundt als beispielhaft bezeichnet. Eine Anpassung wurde durch höhere Grundlöhne und Branchenzuschläge vereinbart, die vom ersten Tag der Überlassung wirksam werden.

Inzwischen haben die Verbände der Zeitarbeit einen anderen Weg mit der IG-Metall verhandelt. Eine sofortige Anpassung wurde seitens der Verbände abgelehnt. Erst nach 6 Wochen ununterbrochenem Einsatz gibt es die erste Erhöhung für einen Zeitarbeitnehmer. Danach folgen – beim gleichen Einsatz – stufenweise Erhöhungen in Abständen von 2 Monaten bis zum 9. Monat. Im Tarifvertrag mit Gesamtmetall  hat die IG Metall mit den Arbeitgebern der M+E Industrie zum Thema Zeitarbeit vereinbart: “Nur noch Zeitarbeitsunternehmen mit DGB bzw. IGM Tarifvertrag und Branchenzuschlagsregelung kommen in der Metall- und Elektroindustrie zum Einsatz”.

Das “Stufenmodell” steht nun auf der Mitgliederversammlung des iGZ zur Abstimmung. Auf den ersten Blick geht es nur um Branchenzuschläge für den Bereich Metall- und Elektro und die Chemische Industrie, aber es steckt Grundsätzliches dahinter. Das Modell der stufenweisen Anpassung könnte für alle Branchen angewendet werden.

Sollte das Modell von den Mitgliedern abgelehnt werden, so würde in der Konsequenz zunächst das zwischen den Arbeitgeberverbänden iGZ + BAP und der IG-Metall  erzielte Verhandlungsergebnis nicht in einen Tarifvertrag münden, obwohl der BAP als Verband schon zugestimmt hat.

Danach gibt es folgende Entwicklungsmöglichkeiten:

1. BAP schließt dieses Verhandlungsergebnis als eigenen Tarifvertrag ab und sichert sich so Wettbewerbsvorteile, da bei Gesamtmetall im Tarif festgeschrieben wurde, dass nur Firmen mit Branchenzuschlagstarifen eingesetzt werden.

2. Es gibt Nachverhandlungen der Zeitarbeitsverbände mit der IG-Metall.

3. Es läuft auf eine gesetzliche Lösung hinaus.

Der Versuch einer Bewertung:

Den “Big Playern”, die hauptsächlich im BAP organisiert sind, würde ich zutrauen, dass sie dieses Tarifergebnis umsetzen wollen. Der BAP hat ja schließlich seine Zustimmung schon abgegeben. Er würde sich unglaubwürdig machen, wenn er seine Zustimmung zurückzieht. Also halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass der BAP einen “Alleingang” bei der Tarifentwicklung macht.

zu 2. Nach meinem Informationsstand ist es wenig wahrscheinlich, dass die IG-Metall Nachverhandlungen akzeptiert. Es dürfte wohl heissen : “Frau von der Leyen übernehmen Sie”.

zu 3. Zeitarbeit wird Wahlkampfthema in 2013 und gesetzliche Lösungen sind spätestens nach der Wahl September 2013 zu erwarten.

Es steht als eine wichtige richtungsweisende Entscheidung am 28.06.2012 an. Es wird sich zeigen welche Zeichen dort gesetzt werden.

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Eine Antwort auf “Tarifpolitische Entwicklung in der Zeitarbeit – wohin geht die Reise?”

  1. Dieter Hildner sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ein interessanter Artikel der hier zur Diskussion gestellt wird.
    Die Zeitarbeitsverbände haben sich aus verständlichen Gründen bei den Tarifverhandlungen gegen ” gleiches Entgelt ” gewehrt. Deswegen wird die Branche, so gerne sie es hätte, auch nicht wirklich zur Ruhe kommen.
    Aber ewiges Hinausschieben und dann vielleicht noch auf den Rückhalt aus der
    Politik hoffen, wird nur bis zur Bundestagswahl im Herbst 2013 möglich sein. Ob nun gesetzlich oder durch Verhandlungen noch ein besseres Ergebniss erzielt werden sollte, eines läßt sich bereits jetzt sagen, die Zeitarbeitsbranche wird Einbußen beim Auftragseingang hinnehmen müssen.
    Einen Imageschaden wird die Branche durch ihr Zaudern beim gleichen Entgelt
    nicht verhindern können. Branchenzuschläge mit einer Wartezeit von bis zu 9 Monaten sind weder besonders hilfreich für die betroffenen Arbeitnehmer, noch lassen sie eine gewisse Lebensplanung zu.
    In keiner anderen Branche wird eine solche Tarifpolitik betrieben, die den Arbeitnehmer zum Spielball von Unternehmensinteressen macht. Diese Taktik
    kann auf Dauer nicht gutgehen, weil eben die Resultate dieser Bezahlungsstruktur
    im Vergleich zu anderen Ländern zu dürftig ausfallen. Vorreiter in Sachen Tarifgestaltung kann man mit diesen Verhandlungsergebnissen
    nicht werden und Schönreden dieser prozentualen Entgelterhöhungen können eines Tages zum Bumerang werden. Es gibt wohl keine andere Branche bei der solche lange Laufzeiten, bis 2017, bei Tarifverhandlungen abgeschlossen wurden.
    Dies noch als Erfolg darzustellen, dazu muss man schon viel Phantasie mitbringen.
    Eher trifft der Spruch zu ” Augen zu und durch”. Wie die wirtschaftliche Situation
    bis zum Jahr 2017 aussieht , kann wohl niemand für diese lange Zeit vorhersagen.
    Die Zustimmung zu diesem Tarifvertrag wird nicht ausbleiben, weil noch genügend Vorteile für die Unternehmen vorhanden sind.

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